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DER ABGRUND - Fernando Vallejo
Geht es nach dem kolumbianischen Autor Fernando Vallejo, dann gibt es kaum etwas Positives über sein Heimatland zu schreiben. Dies mag vermutlich auch der Grund gewesen sein, weshalb er nach Mexiko übersiedelt ist. In seinem Roman Der Abgrund zeigt er den Niedergang Kolumbiens auf, aber auch der Verfall seines an Aids erkrankten Bruders.

Der Abgrund
erklärt eigentlich ein Stück weit die Kultur Kolumbiens, aber, nur aus einem Blickwinkel, nämlich lediglich von der negativen Seite. Der in Mexiko lebende kolumbianische Schriftsteller Fernando Vallejo macht sich anscheinend Sorgen um sein Heimatland, und daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass der schwule Ich-Erzähler ausnahmslos über den Verfall Kolumbiens lamentiert. Drogen, Verwahrlosung stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie AIDS und die katholische Kirche. Er scheint dem Kolumbien seiner Jugend nachzutrauern, und nimmt dabei auch kein Blatt vor den Mund – beschimpft den Papst aufs Derbste und auch die „Kinder produzierenden“ Frauen sind ihm ein Dorn im Auge.

Wut und Resignation
Im Zentrum des Romans, vom Ich-Erzähler Fernando einmal abgesehen, steht dessen an AIDS erkrankter Bruder, welcher ebenfalls schwul ist. Immer wieder wird der Blick nach hinten gerichtet, auf gemeinsame Männerabenteuer etwa. Doch diese Reise in die Vergangenheit hinterlässt bei Fernando nur Wut, da ihm nicht nur der physische Zustand seines Bruders zuschaffen macht, sondern auch der Verlust seines Vaters, welchem er durch aktive Sterbehilfe selbst zum Tode verholfen hat. Beinahe parallel zum prophezeiten Niedergang Kolumbiens verläuft der krankheitsbedingte Zerfall seines Bruders – es zieht alles in den Abgrund. Resignation macht sich breit.

Erfolgreiche Autobiografie
Der Autor, Fernando Vallejo ist 1942 im kolumbischen Medellín zur Welt gekommen, in jener Stadt also, in welcher auch das Elternhaus des Ich-Erzählers von Der Abgrund steht. Nicht nur diese Tatsache zeigt, wie eng und autobiographisch der Roman mit dem wirklichen Leben des Autors verknüpft ist. Vor vielen Jahren hat Vallejo seinem Heimatland aber den Rücken gekehrt und lebt und schreibt nun in Mexiko – vielleicht einmal mehr aus Resignation. Für sein Werk Der Abgrund, oder wie es im Originaltitel heisst El desbarrancadero, hat er 2003 den Premio Rómulo Gallegos erhalten, den höchsten Literaturpreis des lateinamerikanischen Kontinents.
  (dom/23.05.07)
 
 
   
 
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