Madonna ist sauer auf das Buch ihres Bruders und er ist eigentlich
sauer auf sie. Eigentlich.
Es ist seine
Sicht der Dinge und man kann es ihm - falls alles was darin steht,
tatsächlich stimmt - nicht verdenken, dass er dieses Buch
niederschrieb. Doch Christopher Ciccone hat eine Liebe zum Detail,
was aufhorchen lässt und so kann man eigentlich davon ausgehen, dass
das Meiste was er in seinem Buch beschreibt, auch der Wahrheit
entspricht. Als Laie kann sich jeder gut vorstellen: Madonna ist
keine einfache Schwester. Ihr stetig wachsender Ruhm (und ihre
anscheinend unersättliche Gier danach) macht die Sache auch nicht
gerade angenehmer.
Christopher lässt tief in seine Seele blicken: Seine Schwester
Madonna kann er nie richtig loslassen. Er zerbricht zunehmend daran,
dass sich alles wandelt, Zeit und Erfolg ihre Beziehung zueinander
verändert und seine Stellung als Bruder in ihrem Leben
bedenklicherweise immer unwichtiger wird. Madonna schliesst ihn zwar
nie aus ihrem Leben aus, doch angeblich geniesst sie es, ihre Macht
auszuspielen. Und scheinbar hat Christopher keine andere Wahl, als
das Ganze über sich ergehen zu lassen - immer die Hoffnung in sich
tragend, doch noch ein Stück Anerkennung zu ergattern. Seine
Beziehung zu Madonna gleicht einer Abhängigkeit. Auch wenn Drogen in
seinem Leben ab und zu eine Rolle spielten (womit er offen umgeht
und ebenfalls nicht zu erzählen scheut, mit wem er was einnahm...),
so liest man schliesslich zwischen den Zeilen, dass Madonna die
stärkere Droge in seinem Leben zu sein scheint.
Dieses Buch offenbart, wie schwer es ist, ein Statist im Leben einer
Superstar-Schwester zu sein: Es ist eine Erzählung von "dazu zu
gehören", aber jederzeit damit rechnen zu müssen, plötzlich davon
ausgeschlossen zu werden.
Christopher Ciccone lernte die Promi-Welt kennen und fühlte sich
dennoch alleine. Er hat sein Leben nach seiner Schwester gerichtet,
was seine Aussage "Ich wurde als Sohn meiner Mutter geboren, aber
ich werde als Bruder meiner Schwester sterben" klar zum Ausdruck
bringt. Nicht weil er es so will, sondern weil man es schlicht und
einfach nicht ändern kann und akzeptieren muss.
Madonna-Fans werden dieses Buch lieben und hassen zugleich. Man
erhält viele interessante Hintergrundinformationen über die
mächtigste Popikone der Welt. Doch viel eindrücklicher ist die Sicht
des nahe stehenden Bruders die man dabei einnimmt. Und vielen wird
es wohl so ergehen, dass man die Diva, samt Bruder, auch nach dem
Buch, trotzdem lieben wird. Eigentlich...
(24.11.08/lp)
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